Foto: Warner Music
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BANKROL HAYDEN gibt uns seine tolle Stimme

Auf dem Weg ins das kalifornische Längstal durchquert man irgendwann automatisch Modesto. Trotz seiner nur 214.00 Einwohner ist die Stadt aufgrund ihrer einzigartigen Agrarkultur das Nervensystem des Bundesstaates. Die verschlafene Stadt konnte noch nie einen lokalen Hip-Hop-Helden ihr Eigen nennen – bis jetzt…

Der 18-jährige Bankrol Hayden gab nicht nur seiner Community eine Stimme, sondern der Kultur insgesamt. Die Stadt in seinem Rücken, wurde er vom örtlichen Liebling zu einem landesweiten Aspiranten, getragen von seinen unkonventionellen, schwindelerregenden Bars und ebenso selbstbewussten wie aussagekräftigen Refrains.

Anfang 2020 bereits über 60 Millionen Mal gestreamt, macht er sich nun bereit, mit seinem Debütalbum bei Atlantic Records sein Wirkungsfeld weiter zu vergrößern.

„Die Stadt hat mich unterstützt und gefördert, bevor irgendjemand anderes es tat“, bekräftigt er. „Das werde ich nie vergessen. Ich muss ihnen etwas Substanzielles liefern. Ich spreche über Belastungen, die ich durchstehe, familiäre Probleme, Scheidung und echte Situationen. Ich versuche Musik zu machen, die meinen Fans etwas bedeutet.“

Musik spielte in seinem Leben schon immer eine besondere Rolle. Sein Vater liebte Rock, seine Mutter hörte Oldies. Sein älterer Bruder spielte Schlagzeug in einer Indieband und er sah ihnen oft bei den Proben zu. Mit seiner Schwester teilte er derweil eine Liebe zum Rap.

Nach seinem fünften Geburtstag ließen sich seine Eltern scheiden und er lebte zunächst zu gleichen Teilen bei ihnen, bevor er schließlich bei seinem Vater einzog. Songs von Mac Miller, A$AP Rocky und Kid Cudi boten ihm auf der Mittelschule Ausfluchten.

In der Higschool begann er dann selbst damit, über Instrumentals vom berühmten Rasputin Music in Modesto zu rappen. Sein erster SoundCloud-Upload „Humble“ mit 15 Jahren knackte allein durch den lokalen Support 40.000 Streams. Seinen Schwung beibehaltend, veröffentlichte er im Herbst 2017 „Ride With You“.

Zwei Tage später, am 29. November, sollte sich sein Leben jedoch für immer ändern.

Ein schrecklicher Autounfall brachte ihn einem gebrochenen Rücken, drei gebrochenen Rippen, einer gebrochenen Schulter und einem geplatzten Kleindarm ins Krankenhaus, wo ihn anfangs nur eine Herz-Lungen-Maschine am Leben erhielt. Nach fast einem Monat, zwei Tage vor Weihnachten, konnte er in das Haus seiner Tante zurückkehren.

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„Nach dem Autounfall konnte ich erst einmal gar nichts“, berichtet er. „Ich hätte nie gedacht, wie zerbrechlich ein Leben ist. Das lehrte mich, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es veränderte mich.

Ich war durch meinen Rücken sechs Monate ans Bett gefesselt. Also hörte ich den ganzen Tag Musik und schrieb. Es wurde mein Ventil für den Schmerz.“

2018 feierte er mit dem emotional aufgeladenen „29“ seine Rückkehr. Der Song zeichnete den Unfall mit wendigen Flows und tränenreichen Gebeten in cineastischer Genauigkeit nach und sammelte 12 Millionen Spotify-Streams. Bankrol war zurück auf der musikalischen Landkarte. Und spätestens ein Jahr darauf wurde daraus ein amtlicher Hype: sein Song „Brothers” [feat. Luh Kel] häufte in weniger als einem halben Jahr fast 30 Millionen Spotify-Streams und 6,5 Millionen YouTube-Plays an.

Nunmehr bei Atlantic Records unter Vertrag, startete er 2020 mit „Costa Rica“. Elegante Pianoklänge brechen über einen dahinjagenden Beat, während Haydens blitzschneller Wortwitz auf eine Mitsing-Hook und ein gut platziertes „Whoo!“ treffen. „Mein Kumpel Benteae ist der Grund, dass ich an dem Song festhielt“, sagt er. „Ich spielte es ihm vor und er liebte es. Das bedeutete mir eine Menge. Ich habe alles in ‚Costa Rica’ gesteckt. Er ist für jeden, der gern ein Millionär sein will.“

 

Am anderen Ende des Spektrums stellt er sich in „Divorced“ mit offenen und pointierten Raps dem Auseinanderbrechen seiner Familie. „Drop A Tear“ handelt von Liebeskummer und Enttäuschung, „Die Right“ steht derweil für eine emotionale Katharsis.

„Tupac schrieb stets entweder als Beobachter, Teilnehmer oder als er selbst“, kommentiert er. „Das inspiriert mich. Ich bleibe mir treu und investiere mein gesamtes Leben in diese Sache, doch man bekommt stets unterschiedliche Perspektiven zu hören“.

Sein Blick für Wesentliches macht Bankrol Hayden zu einem stolzen Sohn seiner Stadt Modesto, der Hörer weit jenseits seiner Heimatstadt bestärkt.

„Meine Herkunft ist mir sehr wichtig“, schließt er. „Ich will meine wahre Seite zeigen. Ich will eine Wirkung auf Menschen haben. Ich denke, das erreicht man, indem man wahrhaftig ist.“